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Wie erlebte Opa Martin Weihnachten in seiner Kindheit? Und was bekam er an Weihnachten so geschenkt? Das erzählt er im Brief an seine Enkel, den wir in unsere Familienschatzkiste als Erzählung von früher legen. Und ihr? Wie war euer Weihnachten in der Kindheit? Was gab es für Geschenke? Was gab es für Rituale und Traditionen?

Meine lieben Enkel Frieda, Emma-Anais, Matti, Maya-Elodie, Noah, Clara-Elize, Leopold und Sara-Estelle,

Es ist mal wieder Geschichtenzeit, und da Weihnachten vor der Tür steht, ist es heute eine Erinnerung an Weihnachten,  als ich noch klein war. Damals in der Nachkriegszeit war vieles  anders als heute, aber eine schöne und lustige Kinderzeit erlebten wir trotzdem.

Opa-Martins-Familie
meine Familie

Ein paar Tage vor Weihnacht  kamen  immer unsere Großeltern aus Karlsruhe zu Besuch und blieben meistens bis Neujahr bei uns. Während gerade in der Zeit meine Eltern in der Arztpraxis meines Vaters sehr beschäftigt waren, übernahm Oma den Haushalt  mit  Wäsche waschen, mit  Bügeln oder in der Küche, wie Ihr das ja auch von Eurer Oma Sita kennt. Herrliche Weihnachts-Gutsele wurden gebacken und vor allem bei den Springerle waren wir begeisterte Helfer. Wir waren immer gespannt, welcher Model besonders gute Abbilder erzeugt, und ob das  Springerle auch Füßchen bekommen hat.

Springerle
Springerle

Opa hat immer intensiv die Zeitung gelesen, und wenn wir Kinder zu laut waren, hat er meistens sein Zimmer aufgesucht und dort in Ruhe weitergelesen. Später ist er dann mit uns in die Stadt gegangen, um die Schaufenster  der Kaufläden, natürlich besonders die der Spielzeugläden anzuschauen. Davor standen wir lange und Opa hat uns genau zugehört, wenn wir die einzelnen Spielsachen fachmännisch und mit großen Augen bestaunten.

An Weihnachten selbst fanden wir dann das eine oder andere Spielzeug unterm Weihnachtsbaum wieder, das vor kurzem noch leuchtende Augen auf unsere Gesichter zauberte.

So erhielten meine Schwester und ich einmal ein Telefon mit richtiger Wählscheibe und Klingel aus Plastik, aber sehr gut einem echten Telefon nachgemacht. Ihr habt vielleicht einmal ein solches altertümliches Telefon gesehen. Damals gab es noch keine digitalen Smartphones wie heute, sondern das Telefon war festinstalliert und diente nur zum Telefonieren – mit einer Wählscheibe zum Drehen der einzelnen Ziffern anstelle von digitalen Ziffern wie heute.

das Weihnachts-Telefon
das Weihnachts-Telefon

So ein Telefon aus Plastik war eines der Hauptgeschenke an Weihnachten und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ein Telefon für zwei Kinder nach kurzer Zeit zu heftigem Streit führte, wer denn nun telefonieren durfte.

Mein Opa ist am ersten Werktag nach Weihnachten still in die Stadt gegangen und hat noch ein zweites besorgt, aber nach kurzer Zeit standen beide Telefone unbeachtet unter dem Christbaum, sie hatten ihren (Streit-)Charme verloren.

Lediglich unser Hund Axel, ein schöner rotbrauner Setter, von dem ich euch ja schon oft erzählt habe, beschnupperte diese Telefone immer wieder, offensichtlich war der Geruch für ihn interessant.

unser-Hund-Axel
unser Hund Axel

Noch interessanter fand er jedoch unsere Transportfahrten. Ich hatte wie jedes Jahr meine kleine Märklin Eisenbahn aufgebaut, von einer Ecke des Wohnzimmers in die andere, wo meine beiden Schwestern, auch die kleine, einen Mini-Elektroherd betrieben. Sie kochten mit diesen Herd Saitenwürstle und natürlich wollte auch ich als Bahnhofsvorstand  eine Saitenwurst essen. Also schickte ich meine Eisenbahn mit der kleinen schwarzen Lokomotive, die ihr ja schon auf meinem Schreibtisch gesehen habt, und einem Güterwagen in die „Großküche“.

meine-Lokomotive
meine Lokomotive

Dort legten meine Schwestern eine heiße Saitenwurst auf den Güterwagen. Der Zug wurde wieder in die andere Richtung, nämlich zu mir, zurückgelenkt und wenn alles gut ging, bekam ich meine Saitenwurst. Aber ihr könnt euch vorstellen, dass mein Hund Axel mit großem Gebell die Eisenbahn verfolgte und oft einfach die Wurst  stibitzte, wenn sie nicht zu heiß war.  Welch ein Glück, dass meine Schwestern vorgesorgt hatten und eine zweite Wurst den Transport, wenn wir nicht zu lange warteten, erfolgreich überlebte und bei mir ankam.Von Axel werde ich euch noch viel erzählen, aber das wird ein eigener Brief.

Wir werden uns ja noch vor Weihnachten sehen und wir ich freuen uns schon sehr auf Euch!

Für heute seid ganz herzlich von mir und auch Oma gegrüßt.

Alles Liebe, euer

Opa Martin

Brief-von-Opa-Martin
Brief von Opa Martin

Fotos: privat

Tags : BriefenkelkindFamilienschatzkisteGroßelternopavon früher erzählenWeihnachten

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